0
Aragorn_What_does_your_Heart_tell_you
© New Line Cinema

Vergebliche Liebesmüh

Was ist, wenn die Anstrengungen, die wir aufbringen, keine Früchte tragen? Was ist, wenn Rücksicht und Fürsorge nichts verbessern zu scheinen, sondern vielleicht sogar zu verschlechtern? Was ist, wenn jede noch so intensive Bemühung darum, sich in der Welt als guter Mensch zu verhalten, zumindest augenscheinlich kein Mehr an Güte hervorruft. Kurzum: Was ist, wenn die Ellbogen einzufahren zunächst bedeutet, noch mehr Ellbogen abzubekommen?

Das sind sehr christliche Fragen. Mit einem Gott oder einem Jenseits argumentierend, lassen sie sich auch leicht beantworten. Wer will schon in die Hölle? Oder wer will freiwillig auf das Paradies verzichten? Man spricht dann von »Zweifel«. Von einer schweren Phase, die sich aber – ist sie als Zweifel erkannt – zumindest einordnen lässt. Ja, ich bin ein kleiner zweifelnder Mensch im Großen und Ganzen, dessen Plan ich nicht ergründen kann, dem ich aber vertrauen kann, dem ich glauben kann!

Aber gibt es auch eine Antwort auf solche Fragen ohne Rückgriff auf ein Glaubenssystem? Ohne System stellt sich natürlich auch die Frage: Warum überhaupt versuchen, ein guter Mensch zu sein? Wenn Gott nicht existiert, scheint doch erstmal alles erlaubt zu sein. Dann begründet sich das je individuelle Regelwerk auf dem eigenen Willen: dem Willen, zu überleben; dem Willen, dazuzugehören und nicht ausgeschlossen zu werden; dem Willen vielleicht auch, ein möglichst harmonisches Leben zu führen. Dann achte ich auf und sorge mich insoweit um meine Umwelt und meine Mitmenschen, wie es meinem Willen zuträglich ist. Alles darüber hinaus wäre vergebene Liebesmüh.

Wo ich mich mit Gott über mir auf einen unergründlichen Plan berufen kann, bleibt mir im Tal der Gottlosen nichts weiter übrig als meiner eigenen Stimme zu vertrauen. Die könnte mir aber genau so gut auch ein schlechter Ratgeber sein. Und vor allem schert sie sich nicht um Gut und Böse. Dass sich auch ungläubige Menschen mitunter in Lebensgefahr bringen, um einen anderen Menschen zu retten, scheint mir kein gutes Argument dafür zu sein, dass die eigene Stimme reicht, um mich vom Zweifel zu erlösen. Solche Taten könnten immer noch kontraintuitiv sein, ja sogar dumm. Und das ist zugleich aber auch der Grund, der vom Zweifel erlösen kann! Die eigene Unzulänglichkeit erkennen! Der Zweifel ist überheblich und ungemein arrogant. Ebenso arrogant wie gar kein Zweifel. Ich bilde mir ein – nur weil ich keinen Gott voraussetze – die Wirkungen meiner Taten überblicken zu können. Und dann bilde ich mir auch noch ein, meine Beweggründe nachvollziehen zu können. Wie vermessen! Dabei müsste ich mir gar nicht mal einen Gott vorstellen, um mir eine demütige Haltung anzueignen. Es reicht schon, an die Wirklichkeit zu glauben, um demütig zu sein.

Okay, Demut – auch eine christliche Vokabel – kann mich daran erinnern, dass möglicherweise auch einfach meine ursprüngliche Beobachtung falsch war: dass die Liebesmüh nur vergebens scheint. Weil ich nun mal einfach ein kleiner Mensch nicht unter der unverständlichen Fuchtel Gottes bin, sondern – viel unkomplizierter – in einer unermesslichen Wirklichkeit. Es gibt also keine Begründung und keinen Anreiz, seine Ellbogen auszufahren. Aber gibt es denn dagegen eine Begründung oder einen Anreiz, seine Ellbogen nicht auszufahren? Nein, denn die Entscheidung, seine Ellbogen nicht auszufahren, ist jenseits von Motivation und Kausalität. Eine solche Entscheidung zu treffen ist durch und durch sinnlos, zwecklos und begründet sich auf nichts, außer einer unendlich unkomplizierten, komplett naiven und an Einfältigkeit grenzenden und deshalb seligen Gewissheit.

Manchmal ertappe ich mich dabei, wie nach langem Grübeln und noch längerer Prüfung durch das Leben eine Erkenntnis in mir aufsteigt, die in ganz einfachen Worten schon auf Postkarten, Kalendern oder sonst wo gedruckt steht. Die längst schon in irgendeinem ausgelutschten Sprichwort auf den Punkt gebracht wurde. Oder sich in irgendeinem kitschigen Filmzitat ausformuliert findet. Aber erst einmal selbst darauf gekommen, erscheint sie in neuem Lichte. Und die Erkenntnis, die dazu führt, sich trotz des immer wieder aufkeimenden Zweifels, weiterhin zu bemühen, ein guter Mensch zu sein, ist an Einfachheit nicht mehr zu unterbieten. Sie ist das Einfachste überhaupt und undenkbar unkompliziert. Sie ist ein »weil« ohne Folgesatz.

Jeder trägt diese Gewissheit in sich und jeder besitzt die Fähigkeit an ihr zu zweifeln. Es gibt eine kitschige Szene in den »Herr der Ringe«-Filmen, in der Gandalf von Zweifeln geplagt scheint. Er befürchtet, Frodo und Sam (von denen das Schicksal aller abhängt) könnten scheitern und wendet sich an Aragorn. Und der stellt die genau richtige Frage:

Aragorn: We have time. Every day Frodo moves closer to Mordor.

Gandalf: Do we know that?

Aragorn: What does your heart tell you?

Gandalf: That Frodo is alive. Yes. Yes, he’s alive.

Lord of the Rings – The Return of the King

»Was sagt dein Herz dir?« – Dass Liebesmüh die richtige Entscheidung ist. Ja, ja, sie ist die richtige Entscheidung! Immer.

Was sagt dein Herz dir?

7,99 

Poster mit Aragorns Frage an Gandalf: »Was sagt dein Herz dir?« Maße: 29,7 cm x 42 cm Ohne Rahmen

48 vorrätig

Kategorie: