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Red Bull Spring Edition Zero
© Björn Höller

Red Bull Spring

Endlich! Ein »Red Bull Edition« Energy Drink als Zero-Variante! Dann noch in frischem Rosa und mit dem Namen »Spring«. Wer hat nicht darauf gewartet: auf den anbrechenden Frühling, heller werdende Tage, erblühende Pflanzen, so weit das Auge reicht und vielleicht auch ein paar Schmetterlinge im Bauch? Leichtigkeit, Neubeginn und die morgendlich zwitschernden Vögel, die einen zur bald schon erwachenden Sonne rufen.

»Man kann gar nicht oft genug im Leben das Gefühl des Anfangs in sich aufwecken, es ist so wenig äußere Veränderung dafür nötig, denn wir verändern ja die Welt von unserem Herzen aus, will dieses nur neu und unermeßlich sein, so ist sie sofort wie am Tage ihrer Schöpfung und unendlich.«

Rainer Maria Rilke

Ja, und passend zum Gefühl des Anfangs, zur sich ankündigenden Frühlingszeit, bringt der Riesenkonzern Red Bull einen neuen Energy Drink in die Supermarktregale. Red Bull, der Konzern mit der nervigen »Flüüüüügel«-Werbung, der sich mit Coca Cola im Krieg befindet, Extremsportlerinnen bis in den Tod hinein sponsert und dessen Getränke für das wohl 50-fache seines Einkaufswerts weiterverkauft. Aber der frische Look der neuen Dose macht die Markenidentität vergessen. Hier geht es um das Lebensgefühl des Neuanfangs. Um einen unbedarften Sprung in die neue Jahreszeit. Das ist sehr vielversprechend.

Leider hält der Drink nichts von dem, was seine äußere Erscheinung verspricht. Geschmacklich hebt er sich nicht besonders stark von den anderen Getränken der Red Bull Edition-Reihe ab, die penetrante Süßstoff-Note weiß sich nicht einmal ansatzweise zu verbergen, ist unnötig aufdringlich, und die beinahe tränentreibende Enttäuschung zuletzt: Es ist nichts von Leichtigkeit zu schmecken. Selbst nach einer halben Stunde in der Gefriertruhe (so sollte ein Energy Drink prinzipiell verköstigt werden) schmeckt das »Getränk« nach einem kohlensäurearmem in der Sommerhitze sich verflüssigten billigem Lutschbonbon. Wo ist das eiskalte Prickeln, dass sich beinahe schwebend über die Zunge, am Gaumen vorbeischleichend, voller Zutrauen und ohne Eitelkeit in den Magen hinunter-, ja ich will sagen hinunter erbittet? Nichts davon zu spüren! Nichts von dem, was einen Energy Drink ausmacht. Dagegen eine grobe Mischung dreist sich unangenehm schwer den Hals hinunterwindender Substanz.

Zu einfach macht es sich die Red Bull Spring Edition; die ihren Namen gar nicht verdient hat. Die Wirkung von Koffein, Taurin, Niacin und Vitamin B6 reicht nun mal nicht, um über eine schlechte Geschmackswirkung hinwegzutäuschen. Der Drink ist nicht leicht, sondern schwer. Er ist nicht beflügelnd und schon gar nicht beflüüüüügelnd, sondern fesseln, lähmend, einengend, nur um nicht das vernichtendste aller Urteile über einen Energy Drink sprechen zu müssen: ermüdend.