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a man with curly dark long hairs on inlineskates drives on saturns ring

Inlineskaten

Inlineskaten kommt für mich dem Schweben am nächsten. Gut geschnürt und fest verschlossen schmiegt sich der Schuh oder die Schale des Skates so nah an den Fuß an, dass ich seine Anwesenheit noch eher zu vergessen bereit bin als eine zwickende Jeans oder ein kratziges Oberteil. Auch das Fahrrad unter mir ist stets präsent. Habe ich aber die kleinen Rollen mit Kugellager direkt unter meine Füße gespannt, will ich schnell schon vergessen, dass ich ein technisches Hilfsmittel zur Fortbewegung benutze. Ich stehe ja trotzdem und bewege mich in etwa so als würde ich gehen. Nur eben gleitend.

Ich kann sehr langsam fahren, mich vorsichtig damit in Innenräumen aufhalten oder die S-Bahn betreten. Dann bin ich ein Fußgänger. Ich kann mich auf eine Bank setzen und ein Buch lesen oder Unterhaltungen führen. Ich kann aber auch schneller fahren, werde mehr und mehr zum Verkehrsteilnehmer und die Möglichkeit zur Unterhaltung versiegt im Fahrtwind und der geforderten Konzentration. Fahre ich auf dem Fahrradweg? Oder auf dem Bürgersteig? Wenn ich ungelenk und langsam auf dem Fahrradweg dahinschleiche, bin ich sicher im Weg. Fliege ich in hohem Tempo über den Bürgersteig, bin ich eine Gefahr, ganz klar!

Es ist schwierig, Inlineskaten einzuordnen. Inlineskaterinnen sind Außenseiter und stehen ein bisschen quer zur Regelung der Öffentlichkeit. Skaten allgemein. Es gibt auch Skate Parks. Die sind ein bisschen wie Spielplätze. Oder direkt neben Spielplätzen untergebracht. Im deutschen Verkehrsrecht waren Inlineskates lange als »Spielgeräte« definiert und so zu behandeln. Überhaupt tut sich das Recht schwer, eine klare Regelung für die auf den Rollen hinfort schwebenden Füße samt daran sich befindlichem Menschen zu finden. Auch ist die Vielfalt der Nutzung schier unbegrenzt. Es gibt Inline-Skaterhockey. Ein Sport wie Eishockey, nur auf Rollen. Es gibt Inline-Fußball, Inline-Basketball, Nordic-Skating, Fitness, Inline-Alpin, Inline-Speedskating und Rollkunstlauf. Vor kurzem habe ich ein Video gesehen, wo sehr biegsame Frauen im Spagat, mit vorgebeugtem Körper, unter Limbo-Stangen durchgefahren sind und Weltrekorde aufgestellt haben.

Worum geht es? Um Fortbewegung? Um das Fahrgefühl? Um Kunst? Um Spiel? Um Sport? Um Darstellung? Wer auf Inlinern dahinschwebt, entflieht auch der Eindeutigkeit und begibt sich in eine Welt definitorischer Unschärfe. Die definitorische Schärfe auf der anderen Seite ist ja dazu da, potenzielle Gefahren zu bannen. Soweit das möglich ist. Aber von Inlineskates geht keine Gefahr aus. Jedenfalls nicht für andere. Wer im Straßenverkehr bei einer Kollision zu schaden kommen würde, ist klar. Wer im Skatepark zu schaden kommt, ist auch klar. Wenn ich ohne Gewissen bei vollem Tempo auf dem Bürgersteig niemanden über den Haufen fahre, darf ich in der Öffentlichkeit jemand sein, der spielt. Und dass ich niemanden über den Haufen fahre, leitet sich nicht von Regeln ab, sondern von Mitgefühl. Schlicht und einfach, ohne Umschweife, vom Gefühl.

Bremsen mit Inlineskates ist auch eine Kunst. Das geübte Bremsen schützt andere, aber in erster Linie mich selbst. Die Wikipedia-Beschreibungen zum Bremsen auf Inlineskates ist poetisch:

»Gebremst werden Inlineskates normalerweise mit einem Gummistopper an der Ferse oder durch Querstellen eines Fußes (T-Stop; hinterer oder vorderer Fuß quer) oder beider Füße. Breite Grätsche, Slalomkurven, ein biegefester Stock zwischen die Beine nach hinten gehalten auf den man sich setzt, das Nachschleifen eines Gegenstandes, das Erhöhen des Luftwiderstandes, etwa durch Aufrichten des Körpers oder ein Bremsschirm (Im Sporthandel für Lauftraining), das Erfassen eines Geländers, das Wählen von weicherem, rauerem Untergrund sind prinzipiell weitere Bremsmöglichkeiten.«

Wikipedia-Artikel »Inlineskate«

Inlineskaten kommt für mich dem Schweben am nächsten. Einfangen? Im Traum nicht! Und bitte nicht versuchen.