Novemberwind

So wie die Herbstblätter sich im kühlen Novemberwind wiegen, so tänzeln auch die Symbole vor sich hin, die er kannte. Hier noch diese Bedeutung tragend, dort schon jene. Und wenn ein Sturm sich wie wild an ihnen auslässt, sie flammengleich in Unruhe stürzt, dann wird da immer noch die Erde sein, die sie auffängt. Und so wird es sich ausgezahlt haben, zumindest einmal mitten durchgegangen zu sein. Jedes Rätsel ist irgendwo anders das Offensichtliche, und was hier so offensichtlich ist, ist dort ein Rätsel.

So schaute sie zu ihm hinüber und sah das Eine, während er zu ihr schaute und das Andere sah. Und mit jedem Augenpaar war die Welt wie neu verkleidet. Und irgendwo dazwischen, irgendwo, wo kaum ein Blick hingeht, schmiegt sich Kleid an Kleid: jedes Wort unbestreitbar sinnvoll und am rechten Platz, jedes Bild naturwüchsig entstanden. Ein Brot in der Hand, ein Apfel im Mund.

»Keine Angst, mein Schatz«, heißt es auf der Postkarte mit dem Wal, »das Leben ist wie du.« Und so war es auch. Selbst wenn die Blätter fallen. Selbst wenn der Novemberwind weht.

Sie hatte sich kaum getraut, seinen Namen auszusprechen. Er war ihm schließlich irgendwann einmal gegeben worden, so wie die Gravur auf den kleinen Schildern in botanischen Gärten. Aber irgendwie erschien ihr das Zögern in dieser Sache absurd: auch er hatte einen Platz in der Welt. In der Tiefe mag etwas aus sich selbst heraus entstehen, nicht aber auf der Wegstrecke. Und so nannte sie ihn eben bei seinem Namen. Natürlich nie einfach nur so und daher gesagt, sondern stets in sich wandelndem Ton. Ab und zu fügte sie auch ein »i« hinzu oder ein »o«. Das erschien ihr stimmig.

Ihm dagegen war die Lust an Namen gänzlich vergangen. Wie mit einem Netz fing er sie ein und ekelte sich noch im selben Moment vor seinem eigenen Fang.

In einer Sache waren sie sich unzweideutig einig: die Zeit war gekommen für die Revolte.