Ein Symbolsammler ging wandern. Nun ist die Frage durchaus berechtigt, was ein »Symbolsammler« ist. Am naheliegendsten wäre es wohl, seine Funktion zu beschreiben. Also zu erklären, was er tagein, tagaus macht. Ebenso ließe er sich wohl auch damit zumindest hinreichend skizzieren, dass seine Fundstücke präsentiert würden. Vermag nicht jede Sammlung eines Sammlers den Sammler am besten zu repräsentieren? Die meisten werden sicherlich zu Recht davon ausgehen, dass – wenn auch nicht ganz klar sein mag, was es bedeutet, Symbole zu sammeln – es klar ist, was es bedeutet, ein Sammler von etwas zu sein. Aber beim Symbolsammler verhält es sich anders.
Vielleicht – um die Frage seiner Funktion und Bedeutung zunächst zu vernachlässigen – ist es an der Zeit, zu beschreiben, wohin der Symbolsammler wandert. Aber auch das ist nicht so leicht zu beantworten. Irgendwann hat es wohl mal ein Funker geschafft – so jedenfalls die vagen Überlieferungen hierzu (es gibt eigentlich keine Aufzeichnungen, die das bezeugen könnten, allenfalls mündliche Zeugnisse, Tratsch und Hörensagen im besten Sinne) –, ihn zu fragen, wohin er denn wandert. Ohne groß zu zögern, soll dieser geantwortet haben, dass weder seine Tätigkeit selbst etwas damit zu tun habe, wohin ihn sein Weg führen würde, noch irgendeine Bestimmung. Dabei schaute er wohl mit einem vielsagenden Blick nach oben.
Nach langem Zögern erlaubte es sich der Funker dann doch noch, eine unverschämt konkrete Frage zu stellen: »Woher nimmst du deinen Wanderweg?« Es rauschte und zischte und in abgehakten Sätzen kamen Laute hervor, die wie eine kleine Stecknadel in einer großen Flugzeugturbine klangen. Der Funker war allerlei Störgeräusche gewöhnt, aber dieses Durcheinander verlangte ihm die größtmögliche Konzentration ab. Auch wenn er hier nicht ganz sicher war – die Klänge waren wirklich schwer zu entschlüsseln – konnte er ein paar Worte und Wortbruchstücke heraushören, die nach reiflicher Überlegung (mehrere Mondzyklen sollen es gewesen sein) und durch geschicktes Zusammenfügen eine präzise Bedeutung annahmen. Den Weg habe ihm wohl eine alte Portugiesin mit einem schwarzen Wachsmaler auf einen Pappkarton gezeichnet.